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GESCHICHTE DER CASINO-GESELLSCHAFT

Anfänge und Wünsche
Die ersten Mitglieder der Casino-Gesellschaft waren Männer aus der Lesegesellschaft, die sich ab 1808 trafen, um gemeinsam zu diskutieren und zu spielen. Sie hatten sich im heutigen Reinacherhof eingemietet, doch mit der steigenden Zahl der Mitglieder wurde schnell klar, dass die Räumlichkeiten auf längere Zeit ihren Ansprüchen kaum mehr genügen würden. So entstand der Wunsch nach einem eigenen Gesellschaftshaus in Basel, welches allen Bürgern zugänglich sein sollte und in dem getanzt, gespielt und diskutiert werden konnte.

Das alte Stadtcasino am Steinenberg über dem noch offenen Birsig. Aquarell von Johann Jacob Schneider.

Nachdem 1820 das schweizerische Musikfest in Basel erfolgreich über die Bühne gegangen war, versuchte die damalige "provisorische Commission zur Errichtung eines Gesellschaftshauses" mit neuem Elan ihr Anliegen umzusetzen. Es gelang: In den Jahren 1820 bis 1822 arbeitete der gerade erst 22-jährige Melchior Berri an den Plänen für das Stadt-Casino. Das Gebäude sollte auf einem von der Regierung kostenlos zur Verfügung gestellten Grundstück zwischen Barfüsserplatz und Steinenberg errichtet werden.

Zwei Gesellschaften - Eine Geschichte
Während die Vorbereitungen für den Bau am Steinenberg in vollem Gange waren, entstand auf Initiative von Johann Jakob Burckhard-Frey das Sommercasino. Der Standort entsprach den Bedürfnissen der Bürger, die sich gerne während der Sommerzeit auf ihre Landsitze zurückzogen.
Nichtsdestotrotz kam es am 16. Februar 1824 zur offiziellen Gründung der Casino-Gesellschaft Basel. Das Gebäude wurde errichtet und so konnte das Stadt-Casino 1826 seinen Betrieb aufnehmen.

Blick den Steinenberg hinauf. Der Gebäudekomplex des Casinos

In den Wirren zwischen der Stadt und dem Land 1830 bis 1833 packten die Mitglieder der Gesellschaft des Sommercasinos im St. Jakobs-Park ihre Sachen zusammen und zogen ebenfalls in das Gebäude am Barfüsserplatz. Während es ab diesem Zeitpunkt mit der Sommer-Casino-Gesellschaft zusehends bergab ging, erlebte das Stadt-Casino von 1839 bis 1875 einen grossen Aufschwung. Aus diesem Grund kam es dann 1907 auch zur Verschmelzung der beiden Gesellschaften.
Nach kurzer Zeit sollte sich jedoch schon herausstellen, dass das Stadt-Casino die Schuldenlast, die mit der Übernahme des Sommercasinos entstand, nicht tragen konnte. Dazu kam, dass das Stadt-Casino selbst immer baufälliger wurde. Um diesen Problemen abzuhelfen, verkaufte die Casino-Gesellschaft 1937 das Sommercasino und den Park und baute mit dem Erlös ein neues Stadt-Casino am Steinenberg.

Krieg und Aufschwung
Auf das neue Casino kamen vorerst schwere Zeiten zu. Im September 1939 brach der 2. Weltkrieg aus: Die Gäste aus dem nahen Ausland kamen nicht mehr, die Verdunkelungen liessen die Besucher zu Hause bleiben und die Fasnacht kam in den Kriegsjahren nicht zu Stande. Schlimmer als der wirtschaftliche war mit Sicherheit der politische Druck, der während dem Krieg auf der Casino-Gesellschaft lastete.


Als Berichte nach England gelangten, dass die "Deutsche Kolonie" (ursprünglich eine unpolitische Organisation) die Räumlichkeiten des Casinos ab 1930 mietete, um darin Zwangsversammlungen aller in Basel wohnhaften Deutschen durchzuführen, wurde die ganze Gesellschaft, insbesondere aber der Saalverwalter und der Vorstand auf die "schwarze Liste" gesetzt. Die Bemühungen der Gesellschaft, von dieser Liste gestrichen zu werden, fruchteten erst 1945.

Kurz nach der Einweihung des Pellegrini-Bildes bewarfen es Unbekannte Ende 1941 mit Farbbeuteln. Der Schaden wird begutachtet. Fotoarchiv Jeck, Basel.

Wandel und Ausblick
Der Frieden brachte erst nach und nach Erleichterung. Das Publikum hatte sich geändert und das Programm musste erst dessen Wünschen entsprechend gestaltet werden. Erschwerend kamen die angestiegenen Kosten für Löhne und Material dazu.

Der Gründer und Leiter des Basler Kammerorchesters Paul Sacher sorgte für
Höhepunkte der modernen Klassik im Stadtcasino.
Foto vom Juni 1969.
Fotoarchiv Jeck, Basel.
Der Gründer und Leiter des Basler Kammerorchesters Paul Sacher sorgte für
Höhepunkte der modernen Klassik im Stadtcasino.
Foto vom Juni 1969.
Fotoarchiv Jeck, Basel.

Erst der wirtschaftliche Aufschwung der 50er Jahre brachte den ersehnten Aufschwung: Die Leute erschienen zahlreich an den Veranstaltungen und ab 1947 fanden alle Sinfonie-Konzerte anstatt im Volkshaus im Musiksaal im Stadt-Casino statt.
Im Jahr 1970 wurden die Restaurationsbetriebe und Saalverwaltung getrennt. Im Jahr 1976 standen eine Reihe von Renovationen an, welche die Casino-Gesellschaft aus eigenen, staatlichen und privaten Geldern finanzierte.

Neubauprojekte
In den letzten Jahren zeigte sich aber immer deutlicher, dass das Stadt-Casino den Ansprüchen der Zukunft nicht mehr gerecht werden kann, baulich, räumlich, betrieblich. Deshalb hat die Casino-Gesellschaft, in enger Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden, die Initiative für das Projekt "Neues Stadt-Casino Basel" ergriffen, das von 2000 bis 2007 mit einem internationalen Architekturwettbewerb erarbeitet wurde.

Das aus diesem Wettbewerb als Sieger hervorgegangene Projekt der Stararchitektin Zaha Hadid wurde nicht umgesetzt: die Stimmberechtigten des Kantons Basel-Stadt haben das Projekt Neues Stadt-Casino Basel bei der Abstimmung am 17.06.2007 abgelehnt.

Nach dieser grossen Enttäuschung hat sich die Casino-Kommission 2008 stark erneuert: 6 von 9 Vorstandsmitglieder traten zurück und wurden durch neue Kräfte ersetzt. Der neue Vorstand nahm mit frischem Elan ein neues Projekt in Angriff, da der Rennovationsbedarf unbestritten blieb. Auf Basis eines Raumprogramms, einer Grobkostenschätzung sowie einem Grobterminplan wurden diese Grundlagen in einer Projektgruppe zusammen mit Spitzenvertretern des Kantons Basel-Stadt behandelt.

Das Resultat war ein Vorschlag, den die Casino-Kommission im März 2010 dem Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt unterbreitete. Wichtige Elemente: Renovation des Musiksaals, Umbau der Künstlergarderoben, Neubau Foyer und die notwendigen baulichen Massnahmen am 39er-Bau.

Im Mai 2010 gab der Regierungsrat bekannt, sich lediglich mit einem "Minimalbeitrag" an dem Projekt beteiligen zu wollen. Somit verzögert er die überfälligen Rennovationen, und ein zeitgemässes Konzerthaus für die "Kulturstadt" Basel ist einmal mehr in weite Ferne gerückt.